Hochwasserschutz an der Wiembecke nicht zu Lasten der Natur

Kostengünstige Alternativen

Detmold/ Hornoldendorf.

"Alle Menschen haben ein Recht auf Hochwasserschutz", sagt Hans-Dieter Wiesemann, Vorsitzender des NABU Detmold. Er spricht damit auch für den BUND. In der Öffentlichkeit werde der Eindruck erweckt, 14 Meter hohe und 300 Meter lange Damm sei die einzige Möglichkeit, das Hochwasserproblem in den Griff zu bekommen. Über Alternativen wurde von Seiten der Planer nichts in der Öffentlichkeit bekannt. Aus diesem Grund wurde von Seiten des Naturschutzes nach umweltverträglicheren Möglichkeiten gesucht, die Menschen an Wiembecke und Berlebecke vor Hochwasserschäden zu schützen.

Bereits im Dezember hatte sich der Höxteraner Diplom-Wasserbauingenieur Ulrich Menter vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Der geplante Damm des Hochwasserrückhaltebeckens sei viel zu groß und dabei handele es sich um die kostenintensivste Lösung, sagt er. Menter: "Statt eines großen Dammes, der lediglich einen Hochwasserschutz für einige Orte von Wiembecke und den Folgeflüssen gewährt, sollten viele kleinere Maßnahmen durchgeführt werden". Mehrere Flutmulden im natürlichen Überschwemmungsgebiet insbesondere vor Hornoldendorf können schon die Hochwasserspitzen so abschwächen, dass es in dem Ort und auch in Heiligenkirchen nicht mehr zu hohen Schadensereignissen kommt. Mit dem eingesparten Geld können überall im Überschwemmungsgebiet der Werre und ihrer Nebenflüsse weitere Flutmulden entstehen, auf diese Weise kämen viel mehr Menschen in den Genuss eines Hochwasserschutzes.

Immer wieder wird die Bedeutung des Rückhaltebeckens für das gesamte Werretal hervorgehoben. Das geplante Stauwerk an der Wiembecke reduziert das Hochwasser in Lage jedoch nur bis zu zehn Prozent. Aus diesem Grunde sind Behauptungen unseriös, das Hochwasserrückhaltebecken bei Hornoldendorf stelle für das gesamte Werretal einen wichtigen Baustein des Hochwasserschutzes dar.
Bereits in dem von Werre-Wasserverband in Auftrag gegebenen "Gemeindeübergreifenden Konzept zur naturnahen Entwicklung der Werre", 2002 ausgeführt von Umwelt Institut Höxter" wird auf die Bedeutung der Renaturierungsmaßnahmen für den Hochwasserschutz hingewiesen, unter anderem belegt durch Untersuchungen aus Bayern. Es ist unvernünftig und unverantwortlich mit einer vollständigen Ingenieurplanung zu beginnen, statt zunächst, wie gesetzlich vorgeschrieben, nach Alternativen zu suchen und diese auf ihre Umweltverträglichkeit zu prüfen. "So werden Steuergelder zum Fenster heraus geworfen, statt sie sinnvoll im Hochwasserschutz einzusetzen", sagt Wiesemann. Im Jahr 2004 wurden 48000 Euro allein für die Ingenieurplanung des Hochwasserbeckens ausgegeben.

"Es drängt sich fast der Eindruck auf, dass es bei der Planung vor allem auch um die Verlängerung des Nordringes geht. Aus welchem anderen Grunde wäre eine Kronenbreite von 12,5 Meter sinnvoll?", fragt sich Wiesemann. Allerdings werde diese Tatsache meist "unter den Tisch gekehrt". Und Wiesemann fragt nach den Argumenten, mit denen eine Notwendigkeit einer Verlängerung des Nordringes von Kreis Lippe nachgewiesen werden könne.

"Die Bürger von Hornoldendorf werden von der Politik nicht über alle Folgen einer vermeintlichen Umgehungsstraße auf einem Dammbauwerk unterrichtet", so Wiesemann. Er schätzt, das Verkehrsaufkommen könne bis auf das achtfache anwachsen, und der Anteil schwerer Lastkraftwagen steige drastisch an. Damit werde der Ort einem wesentlich stärkeren Verkehrslärm ausgesetzt als bisher.

"Mit einem Stück Umgehungsstraße sollen dabei zunächst Fakten geschaffen werden, um dann die Verlängerung des Nordringes zu realisieren", kritisiert der Naturschützer die Vorgehensweise. Die Landschaftszerstörung einer Trasse über den Remmighauser Berg sei noch gewaltiger als das überdimensional geplante Dammbauwerk. Damit werde ein auch für den Tourismus wichtiges Naherholungsgebiet zerstört.
Um die gegenwärtige Verkehrsbelastung in Hornoldendorf zu senken, gäbe es wesentlich einfachere Möglichkeiten. "Wir plädieren für einen naturverträglichen Hochwasserschutz zum Wohle aller Menschen und wir möchten die reizvolle Landschaft um Hornoldendorf erhalten", fasst Wiesemann zusammen.

Fotos:
- Nach der bisherigen Vorplanung könnte er so, wie auf dieser Fotomontage aussehen: Der gigantische Staudamm des Hochwasserrückhaltebeckens der Wiembecke mit einer Kreisstraße auf der Dammkrone. Foto: NABU
- Die Wiembecke im Winter: Eine der letzten annähernd natürlichen Flusstäler der Region, Heimat vieler seltener Tiere und Naherholungsgebiet für zahlreiche Menschen. Foto: NABU